Über die Liebe

von Simone Fürnschuss-Hofer

Mein Sohn Valentin, 23, durfte vor einigen Jahren mit mir ein Interview für die Vorarlberger Straßenzeitung marie machen. Es ging um seine Zukunftswünsche. Vor kurzem meinte er, es wäre schön, wieder einmal ein „offizielles Gespräch" mit mir zu führen. Worüber möchtest du denn reden, fragte ich ihn. Na, über die Liebe natürlich, meinte er, der frisch Verliebte.

Was ist für dich denn überhaupt Liebe? Wie fühlt sich Liebe an?
Ich bin nervös und habe Schmetterlinge im Bauch. Ich träume schöne Dinge. Zum Beispiel über das Küssen. Dieses Gefühl sagt mir, dass ich richtig verliebt bin.

Bist du im Moment verliebt?
Ja, sehr sogar.

Macht Verliebtsein glücklich?
Ja.

Warst du schon mal verliebt und die andere war nicht verliebt?
Ja, weil sie noch nicht bereit dafür war. Das hat sich scheiße angefühlt. Da hab' ich Liebeskummer bekommen und musste die ganze Zeit nachdenken.

Worüber?
Da kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Manchmal musste ich auch ein bisschen weinen.

Und jetzt ist die Frau, in die du dich verliebt hast, auch verliebt?
Ja. Und das ist etwas Schönes. Sie heißt Angelika.

Magst du darüber was erzählen?
Jetzt pumpert mein Herz ganz oft, wenn ich an sie denke. Wir schreiben uns viele Nachrichten, schicken uns Sprachnachrichten und telefonieren manchmal auch miteinander.

Wie war denn für dich euer erstes Date?
Es war schön. Wir sind ins Kino gegangen, ich habe sie dazu eingeladen und danach sind wir noch zu meiner Arbeitsstelle in die Pizzeria Olive essen gegangen. Und bald machen wir ein zweites Date – einen Zockerabend bei ihr.

Was habt ihr sonst noch so vor?
Dass ich sie mit anderen Freunden zusammen zu einer Gartenparty einlade. Dass ich mit ihr ins Schwimmbad gehe im Sommer. Oder einen Zocker-Abend hier mit ihr mache. Dass ich sie mal zu Hause abhole und mit ihr was essen oder trinken gehe. Das habe ich mit Freunden auch schon gemacht. Mit ihnen war ich auch schon Pizzaessen und im Kino. Ich möchte aber nicht, dass ich nur noch mit ihr was mache und meine Freunde allein sind. Am liebsten würde ich mit allen gemeinsam zusammenwohnen.

Habt ihr vieles gemeinsam, deine Freundin und du?
Ja. Wir gehen zusammen ins Karate. Dort haben wir uns ja auch kennengelernt. Wir mögen beide Musik, zum Beispiel Chris Steger, die Toten Hosen oder ABBA oder Adele und Rebekka Bakken. Wir schauen gerne Fußball. Angelika mag auch Bier. Und Schnitzel und Pommes, Pizza, Erdbeeren und Himbeeren. Sie tanzt gerne. Und sie mag mich heiraten.

Aber das wär' ja viel zu früh, oder was meinst du?
Ja, besser wir warten noch ein bisschen. Aber wir träumen davon. Und sie sagt, dass wir offiziell zusammen sind.

Siehst du das auch so?
Ja, ich denke das auch.

Was gefällt dir an ihr besonders?
Alles.


Ich würde diesen Beitrag gerne als Auftakt nutzen, um mit weiteren Menschen mit Down-Syndrom ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel über ihre Arbeit und Hobbys, über ihre Zukunftsträume oder darüber, was sie sonst so beschäftigt. Gerne via Zoom oder Facetime, gerne mit oder ohne Begleitung. Ich freu mich über Post: simone.fuernschuss@gmx.at

Leben Lachen Lernen – 1/2026

Erschienen in: Leben Lachen Lernen 1/2026, von Simone Fürnschuss-Hofer